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die glasglocke

(entstand letzte nacht, um vier uhr früh - wiedermal schlaflos-kreativ gewesen...)

sie hatte sie selbst gemacht, ganz alleine, nur für sich. damals, als der kontakt zur welt zu viel wurde, zu intensiv, zu schmerzhaft, zu emotionell. sie wurde verletzt, betrogen, ausgenutzt, ausgegrenzt; wurde hoch gehoben und fiel danach noch tiefer; vertraute und wurde enttäuscht. nicht immer, aber oft, zu oft, und als sie das positive und schöne garnicht mehr sehen konnte, wurde es zeit, die glasglocke zu erschaffen. darin war es sicher, es war warm und schmerzfrei, das glas hielt die anderen fern genug.
die anderen bemerkten die glasglocke nicht - sie war ja durchsichtig!
aber mit der zeit bemerkten sie das mädchen auch immer weniger, und schließlich vergaßen sie sie ganz.
anfangs liebte sie es, in ruhe gelassen zu werden und durch das glas den anderen beim leben zuzuschauen. sie war ja in sicherheit.

irgendwann erfuhr sie aber, daß es in der glasglocke auch sehr kalt sein konnte, diese kälte kam aus ihr selbst. es war die einsamkeit.
und sie mußte erkennen, daß die traurigkeit sich durch das glas nicht aufhalten ließ. tränen schmerzen, wenn niemand da ist der sie trocknet...

das leben der anderen zu beobachten erfüllte sie nun nicht mehr mit ruhe und sicherheit, sondern mit sehnsucht, und da erkannte sie nach und nach, daß die glasglocke nicht mehr ihr schutz war. sie war zum gefängnis geworden. und sie hatte keine türe, das hatte sie damals, als sie sie geschaffen hatte, ja extra so gewollt.

die erkenntnis war ein schock.
sie begann zu schreien, aber durch das glas drang kein ton nach draußen.
sie sprang herum, gestikulierte wild, hämmerte mit den fäusten gegen ihr gläsernes gefängnis, damit die anderen sie bemerkten - aber die hatten schon längst aufgehört, sie zu sehen.
verzweifelt sank sie zu boden, saß weinend mitten in ihrer glasglocke, und verlor nach und nach ihre hoffnung und ihren lebensmut.
die sonne schien, aber in der glocke war es nicht warm, sondern stickig und beklemmend. sie konnte sehen, wie draußen der frühling alles zu neuem leben zu erwecken schien, wie die menschen sich freuten und lachend ihre jacken fortwarfen und in der sonne miteinander tanzten und glücklich waren. sie wollte so sehr zu ihnen, daß es weh tat, aber sie konnte doch nicht... sie konnte nicht mehr weinen, tränen hatte sie schon lang keine mehr, sie war leer.

plötzlich fiel ihr leerer blick auf einen stein, der vor ihr auf dem boden lag. wie kam der nur dorthin? er schimmerte dunkel und geheimnisvoll, und lag kühl und schwer in ihrer hand. etwas eigenartiges durströmte sie, und sie stand auf. jetzt wußte sie, was zu tun war, um diesem gläsernen sarg zu entkommen!

langsam schloß sie die augen, hob die hand mit dem stein, und holte kräftig aus...
24.3.07 14:42
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Andi / Website (25.3.07 16:04)
hm... weiß nicht ganz was ich dazu sagen soll... literarisch gesehen ist es wirklich (ganz ehrlich!) toll, aber darum gehts ja nicht.
so wirklich neue einblicke verschafft mir das ganze natürlich auch nicht - es bringt etwa auf den punkt was wir wohl beide seit geraumer zeit recht gut wissen. jetzt musst du nur noch einen stein finden...

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